|
Planerisches Meisterstück mit zweitem
Obst- und Gemüsetag geglückt
Reiche Vielfalt lockt
Besucher in die Innenstadt – Sehen, Probieren und
Lernen in vielen Bereichen. Ein planerisches
Meisterstück ist mit dem zweiten Obst- und Gemüsetag
in der Schifferstadter Innenstadt gelungen.
Das bewies der riesige Zuspruch, den die
Veranstaltung erfuhr. Aus allen Richtungen strömten
die Besucher herbei und taten das, was Organisatoren
am Liebsten sehen: sie verweilten. Ein paar Stunden
auf dem Fest zu verbringen war keine große Kunst,
denn es gab wahrlich allerhand zu sehen, zu
probieren und zu lernen. Kaum zusammenfassen lässt
sich die bunte Vielfalt, die dem übergeordneten
Thema Erntedank – der Bauern- und Winzernverband
hatte sein Landeserntedankfest auf den gestrigen Tag
in Schifferstadt gelegt – zu hundert Prozent gerecht
wurde. Gesunde Ernährung, Bewegung, Geschichte und
Informationen en masse erlebten Alt und Jung auf und
rund um den Schillerplatz, in Richtung Rathaus bis
hin ins Heimatmuseum. Leuchtende Farben von Obst-
und Gemüse, Anregendes für die Geschmacksnerven,
Nettes für die Augen und Spannendes für die Hände
zum Tasten waren auf mehreren Metern
aneinandergereiht. Große Lücken gab es keine, das
Angebot folgte an einem Stück. "Ich freue mich über
die Kooperation von Schifferstadt und dem Bauern-
und Winzerverband", betonte Bürgermeister Klaus
Sattel bei der offiziellen Eröffnung auf dem
Schillerplatz, zu der sich bereits Hunderte Gäste
eingefunden hatten. Der Dank des Stadtchefs galt in
erster Linie Bundestagsabgeordnetem Norbert
Schindler, der das Landeserntedankfest in die
Rettichstadt geholt hatte, und natürlich dem
Projektleiter des Obst- und Gemüsemarktes, Dieter
Wagner. "Er hat wesentliche Impulse gegeben", lobte
Sattel den ideenreichen Einsatz Wagners um die
Veranstaltung. "Es war höchste Zeit, eine der
potentesten Regionen zu beehren", äußerte Norbert
Schindler hinsichtlich der Feier zu Erntedank. In
einer Zeit, in der der Wohlstand um sich greife, sei
es notwendig, daran zu erinnern, dass nicht alles
selbstverständlich ist. "Der Dank an den Herrgott
ist mit Erntedank verbunden", so Schindler, der
darauf verwies, dass der Mensch nicht allmächtig
sei. "Wir sind abhängig von vielen nicht
berechenbaren Faktoren", stellte er fest und spannte
den Bogen zur positiven Gesamtbilanz der Bauern aus
diesem Jahr, wenngleich der August in
Rheinland-Pfalz manchen Betrieben Einbußen gebracht
habe. Landrat Werner Schröter hatte ein paar Zahlen
vorbereitet und klärte die Zuhörer darüber auf, dass
im Rhein-Pfalz-Kreis stattliche 70 Prozent des
gesamten rheinland-pfälzischen Gemüses angebaut
würden. 20 Prozent der Anbaufläche des Kreises
befänden sich in Schifferstadt. Ein Gedicht über den
"Schifferstadter Gemüsebau", vorgetragen von Fritz
Magin, leitete zum allgemeinen Flanieren an den
Ständen entlang über. Dort folgten die Besucher
gerne der Aufforderung von Dieter Wagner, die
Fachleute mit Fragen zu löchern. Aufklärungsarbeit
leisteten die Mitglieder der Arbeitskreise II und
III des Stadtmarketing an ihrem Stand. "Der Obst-
und Gemüsetag ist eigentlich erst durch das
Stadtmarketing entstanden", hob Karin Weiler im
Gespräch mit den Bürgern hervor. Der Weg führte des
Weiteren vorbei an Kürbissen in allen Formen und
Farben, mit und ohne Gesicht, an goldenem Honig und
echten Mispeln, an frischem Obst und Gemüse,
Rollrasen, Samen, Säcken voller toller Knollen alias
"Pälzer Grumbeere", Trockengestecken und etlicher
weiterer dekorativer Herbstaccessoires. "Voller Saft
voraus" hieß es am Stand von Apfelspezialist Helmut
Schießl. Eine kleine Kostprobe seiner frisch
gepressten Apfel-, Birnen- oder Traubensäfte
verleitete zum Mehr. Interessiert beäugten die
Umstehenden außerdem die Apfelgeschichte. Exemplare
der Vergangenheit bis hin zu solchen aus modernen
Zeiten waren in einzelnen Körbchen mit zu Papier
gebrachter Information versehen. Da war unter
anderem die Rede vom weißen Winterglockenapfel oder
Gellerts Butterbirne, die nach 1820 nach dem
Liederdichter Gellert in Belgien benannt worden sein
soll. Ein besonderer Spaß für die Kleinen waren –
abgesehen von den Spielmöglichkeiten neben dem leer
geräumten Vögele – die riesigen Schlepper. Ob Deutz
oder Fahr – Hauptsache hoch hinaus und hinterm
Lenkrad sitzen. Ausladende Maße hatte ein Modell mit
Schädlingsbekämpfungsgerät, das wie weite Arme
mehrere Parkplätze hinter dem Alten Rathaus einnahm.
Altes landwirtschaftliches Gerät konnte unterdessen
im Heimatmuseum begutachtet werden.
Ernährungsberatung, Qualitätskontrolle, ökologischer
Anbau, Fahrradcodierung, Nordic Walking,
Kräutergarten sowie Informationen zu Wildbret, dem
Tourismusverein, zur Vorbeugung von Krebs oder zu
Streuobstwiesen auf Schifferstadter Gemarkung – es
gab nichts, was es nicht gab auf dem Obst- und
Gemüsemarkt. Magischer Anziehungspunkt war
unter anderem auch der Info-Truck des
Industrieverbandes Agrar mit dem Untertitel "Die
Früchte unserer Erde". 775 Personen hatten die
Mitarbeiter bis kurz vor 15 Uhr gestern bereits
gezählt. "Mit dem Truck reisen wir durch die Lande,
um eine andere Art der Öffentlichkeitsarbeit zu
machen", erklärte Siegfried Kulisch im Gespräch mit
dem Tagblatt. Dass das ankommt, bewies der Zuspruch.
In dem interaktiv aufgebauten Mobil konnte man
Kornkäfern beim Fressen zuhören, landwirtschaftliche
Produkte ertasten und eine "Biene" im wahrsten Sinne
des Wortes unter die Lupe nehmen. Den Vögeln ihren
richtigen Namen zuordnen konnte man bei der Lokalen
Agenda 21, Zukunftstisch Natur, Landschaft,
Grünbereich. Doch das Gezwitscher erfolgte lediglich
durch eine "220-Volt-Voliere". Beim richtigen Ordnen
ertönte lediglich ein Brummen. "Ich bin froh, dass
wir uns auf diesem schönen Markt präsentieren
dürfen", versicherte die Leiterin der
Volkshochschule Maria Häußler-Waldmann. Viel
positive Rückmeldung habe sie erhalten, schöne
Diskussionen über die Geschichte von Schifferstadt
seien auf Grund des durchaus anspruchsvollen
Preisrätsels entstanden. Lobend über die Resonanz
äußerte sich Stefan Schlegel vom gleichnamigen
Gemüsemarkt. "Persönlich bin ich sehr zufrieden. Das
ganze Fest ist super." Lediglich der Gottesdienst
habe seiner Meinung nach auf Grund der späten
Uhrzeit ein wenig an Wirkung verloren. Nichts desto
trotz waren sämtliche Bänke und auch die Stühle des
"Amalfi" voll besetzt von Gottesdienstbesuchern. Der
katholische Pfarrer Josef Steiger (Speyer) und sein
evangelischer Kollege Gerd Kiefer (Kaiserslautern)
zelebrierten die Messe, die von der Gruppe
"Grenzenlos" musikalisch begleitet und bei der die
Erntekrone der rheinland-pfälzischen Landjugend
gesegnet wurde. "Das Erntedankfest lädt ein zum
Innehalten, zum Nachdenken und auch dazu, den Blick
zu schärfen für die Natur und den Menschen", hob
Steiger in seiner Predigt hervor. "Ernten und Danken
gehört zusammen", erinnerte er am Ende.
Auf
der reichhaltig geschmückten Bühne gab es den ganzen
Tag über nicht nur kleine Schaueinlagen, sondern
auch Podiumsgespräche, die sich mit Bioprodukten,
Essen – Genießen – Bewegen, Qualitätsgemüse und der
Frage, ob Obst und Gemüse wirklich so gesund sei,
befassten.
Text:
Schifferstadter Tagblatt
|