in Schifferstadt am 01.10.06  

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Planerisches Meisterstück mit zweitem Obst- und Gemüsetag geglückt

Reiche Vielfalt lockt Besucher in die Innenstadt – Sehen, Probieren und Lernen in vielen Bereichen. Ein planerisches Meisterstück ist mit dem zweiten Obst- und Gemüsetag in der Schifferstadter Innenstadt  gelungen. Das bewies der riesige Zuspruch, den die Veranstaltung erfuhr. Aus allen Richtungen strömten die Besucher herbei und taten das, was Organisatoren am Liebsten sehen: sie verweilten. Ein paar Stunden auf dem Fest zu verbringen war keine große Kunst, denn es gab wahrlich allerhand zu sehen, zu probieren und zu lernen. Kaum zusammenfassen lässt sich die bunte Vielfalt, die dem übergeordneten Thema Erntedank – der Bauern- und Winzernverband hatte sein Landeserntedankfest auf den gestrigen Tag in Schifferstadt gelegt – zu hundert Prozent gerecht wurde. Gesunde Ernährung, Bewegung, Geschichte und Informationen en masse erlebten Alt und Jung auf und rund um den Schillerplatz, in Richtung Rathaus bis hin ins Heimatmuseum. Leuchtende Farben von Obst- und Gemüse, Anregendes für die Geschmacksnerven, Nettes für die Augen und Spannendes für die Hände zum Tasten waren auf mehreren Metern aneinandergereiht. Große Lücken gab es keine, das Angebot folgte an einem Stück. "Ich freue mich über die Kooperation von Schifferstadt und dem Bauern- und Winzerverband", betonte Bürgermeister Klaus Sattel bei der offiziellen Eröffnung auf dem Schillerplatz, zu der sich bereits Hunderte Gäste eingefunden hatten. Der Dank des Stadtchefs galt in erster Linie Bundestagsabgeordnetem Norbert Schindler, der das Landeserntedankfest in die Rettichstadt geholt hatte, und natürlich dem Projektleiter des Obst- und Gemüsemarktes, Dieter Wagner. "Er hat wesentliche Impulse gegeben", lobte Sattel den ideenreichen Einsatz Wagners um die Veranstaltung. "Es war höchste Zeit, eine der potentesten Regionen zu beehren", äußerte Norbert Schindler hinsichtlich der Feier zu Erntedank. In einer Zeit, in der der Wohlstand um sich greife, sei es notwendig, daran zu erinnern, dass nicht alles selbstverständlich ist. "Der Dank an den Herrgott ist mit Erntedank verbunden", so Schindler, der darauf verwies, dass der Mensch nicht allmächtig sei. "Wir sind abhängig von vielen nicht berechenbaren Faktoren", stellte er fest und spannte den Bogen zur positiven Gesamtbilanz der Bauern aus diesem Jahr, wenngleich der August in Rheinland-Pfalz manchen Betrieben Einbußen gebracht habe. Landrat Werner Schröter hatte ein paar Zahlen vorbereitet und klärte die Zuhörer darüber auf, dass im Rhein-Pfalz-Kreis stattliche 70 Prozent des gesamten rheinland-pfälzischen Gemüses angebaut würden. 20 Prozent der Anbaufläche des Kreises befänden sich in Schifferstadt. Ein Gedicht über den "Schifferstadter Gemüsebau", vorgetragen von Fritz Magin, leitete zum allgemeinen Flanieren an den Ständen entlang über. Dort folgten die Besucher gerne der Aufforderung von Dieter Wagner, die Fachleute mit Fragen zu löchern. Aufklärungsarbeit leisteten die Mitglieder der Arbeitskreise II und III des Stadtmarketing an ihrem Stand. "Der Obst- und Gemüsetag ist eigentlich erst durch das Stadtmarketing entstanden", hob Karin Weiler im Gespräch mit den Bürgern hervor. Der Weg führte des Weiteren vorbei an Kürbissen in allen Formen und Farben, mit und ohne Gesicht, an goldenem Honig und echten Mispeln, an frischem Obst und Gemüse, Rollrasen, Samen, Säcken voller toller Knollen alias "Pälzer Grumbeere", Trockengestecken und etlicher weiterer dekorativer Herbstaccessoires. "Voller Saft voraus" hieß es am Stand von Apfelspezialist Helmut Schießl. Eine kleine Kostprobe seiner frisch gepressten Apfel-, Birnen- oder Traubensäfte verleitete zum Mehr. Interessiert beäugten die Umstehenden außerdem die Apfelgeschichte. Exemplare der Vergangenheit bis hin zu solchen aus modernen Zeiten waren in einzelnen Körbchen mit zu Papier gebrachter Information versehen. Da war unter anderem die Rede vom weißen Winterglockenapfel oder Gellerts Butterbirne, die nach 1820 nach dem Liederdichter Gellert in Belgien benannt worden sein soll. Ein besonderer Spaß für die Kleinen waren – abgesehen von den Spielmöglichkeiten neben dem leer geräumten Vögele – die riesigen Schlepper. Ob Deutz oder Fahr – Hauptsache hoch hinaus und hinterm Lenkrad sitzen. Ausladende Maße hatte ein Modell mit Schädlingsbekämpfungsgerät, das wie weite Arme mehrere Parkplätze hinter dem Alten Rathaus einnahm. Altes landwirtschaftliches Gerät konnte unterdessen im Heimatmuseum begutachtet werden. Ernährungsberatung, Qualitätskontrolle, ökologischer Anbau, Fahrradcodierung, Nordic Walking, Kräutergarten sowie Informationen zu Wildbret, dem Tourismusverein, zur Vorbeugung von Krebs oder zu Streuobstwiesen auf Schifferstadter Gemarkung – es gab nichts, was es nicht gab auf dem Obst- und Gemüsemarkt.  Magischer Anziehungspunkt war unter anderem auch der Info-Truck des Industrieverbandes Agrar mit dem Untertitel "Die Früchte unserer Erde". 775 Personen hatten die Mitarbeiter bis kurz vor 15 Uhr gestern bereits gezählt. "Mit dem Truck reisen wir durch die Lande, um eine andere Art der Öffentlichkeitsarbeit zu machen", erklärte Siegfried Kulisch im Gespräch mit dem Tagblatt. Dass das ankommt, bewies der Zuspruch. In dem interaktiv aufgebauten Mobil konnte man Kornkäfern beim Fressen zuhören, landwirtschaftliche Produkte ertasten und eine "Biene" im wahrsten Sinne des Wortes unter die Lupe nehmen. Den Vögeln ihren richtigen Namen zuordnen konnte man bei der Lokalen Agenda 21, Zukunftstisch Natur, Landschaft, Grünbereich. Doch das Gezwitscher erfolgte lediglich durch eine "220-Volt-Voliere". Beim richtigen Ordnen ertönte lediglich ein Brummen. "Ich bin froh, dass wir uns auf diesem schönen Markt präsentieren dürfen", versicherte die Leiterin der Volkshochschule Maria Häußler-Waldmann. Viel positive Rückmeldung habe sie erhalten, schöne Diskussionen über die Geschichte von Schifferstadt seien auf Grund des durchaus anspruchsvollen Preisrätsels entstanden. Lobend über die Resonanz äußerte sich Stefan Schlegel vom gleichnamigen Gemüsemarkt. "Persönlich bin ich sehr zufrieden. Das ganze Fest ist super." Lediglich der Gottesdienst habe seiner Meinung nach auf Grund der späten Uhrzeit ein wenig an Wirkung verloren. Nichts desto trotz waren sämtliche Bänke und auch die Stühle des "Amalfi" voll besetzt von Gottesdienstbesuchern. Der katholische Pfarrer Josef Steiger (Speyer) und sein evangelischer Kollege Gerd Kiefer (Kaiserslautern) zelebrierten die Messe, die von der Gruppe "Grenzenlos" musikalisch begleitet und bei der die Erntekrone der rheinland-pfälzischen Landjugend gesegnet wurde. "Das Erntedankfest lädt ein zum Innehalten, zum Nachdenken und auch dazu, den Blick zu schärfen für die Natur und den Menschen", hob Steiger in seiner Predigt hervor. "Ernten und Danken gehört zusammen", erinnerte er am Ende. Auf der reichhaltig geschmückten Bühne gab es den ganzen Tag über nicht nur kleine Schaueinlagen, sondern auch Podiumsgespräche, die sich mit Bioprodukten, Essen – Genießen – Bewegen, Qualitätsgemüse und der Frage, ob Obst und Gemüse wirklich so gesund sei, befassten.

Text: Schifferstadter Tagblatt

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