Adler-Madonna


Beschreibung
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Die Statue besteht aus Kalksandstein, ist 86cm groß (bis Kopfoberkante) und 62,8kg schwer. Der obere Teil ihres blauen Faltenumhangs scheint im Winde zu flattern; der Saum des rosa Unter-gewandes ist mit einer goldenen Borte verziert. In der linken Hand hält sie eine weiße Lilie, dem Symbol ihrer Reinheit. Die Ärmel sind halblang. Ihr rechter Fuß steht - so ganz nebenbei - auf einer grünen Schlange, die in ihrem weit geöffneten Rachen den Apfel würgt, der im Paradies für Adam und Eva so verhängnisvoll war.
Die „Immaculata“steht auf einer blauen Weltkugel. Betrachtet man ihr liebliches Gesicht genau, so glaubt man, ein echtes Pfälzer Bauernmädchen zu sehen, rundbäckig und gesund.

Wann der Künstler sie angefertigt hat, ist uns nicht bekannt. Aber viele Merkmale zeigen hin auf die Kunstepoche ihrer Entstehung: Das Rokoko am Ende der Barockzeit. Barock ist die kraftvolle Bewegung ihres Körpers,  die Haltung des rechten Armes hin zum Herzen, die prunkhafte Ausstattung mit Kronen, Lilien, der Faltenreichtum des Gewandes, die Goldborte und die Muschelver-zierung im oberen Teil der Nische.

Dass unter der Krone aus 12 goldenen Sternen noch eine weitere Krone aus weißen Blüten vorhanden ist, zeigt uns eine Verspieltheit, die für die Rokokozeit typisch ist. Sie muss also nach 1750, deutlicher gesagt: vor 1793, dem Jahr, als die französischen Revolutionstruppen Schifferstadt besetzten und bei ihrer Zerstörungswut nicht an Neuanschaffungen zu denken war. Da sich diese Marienstatue jetzt in einer Ecknische befindet, muss sie vor 1830 an einer anderen Stelle gewesen sein, denn der Zentralbau der Adlerbrauerei war erst 1830 beendet. Erstaunlich ist, dass eine Urkunde der ehemaligen Sorchenbrauerei Speyer bestehen soll, aus der hervorgeht, dass diese Statue „niemals entfernt werden dürfe“.

Der Künstler hatte sich bei der Anfertigung dieser Statue mehrere „Freiheiten“ erlaubt:

1) Er hat sie, wie wir bereits gesehen haben,  mit 2 Kronen versehen.
2) Er hat den von Eva und Adam gegessenen Apfel der Schlange   in den offenen Rachen gesteckt, grotesk und humorvoll
3) Er hat zwei Texte aus der Bibel „zusammengebosselt“ und bildlich dargestellt:
Aus dem Neues Testament die  Apokalypse 12: 
a) „Frau... von der Sonne umkleidet  .... Mond zu ihren Füßen... 
um ihr Haupt einen Kranz von 12 Sternen ...“
b) Aus dem Altes Testament:  Genesis 3:
„Sie (die Frau) wird dir (der Schlange) den Kopf zertreten...“
 

Beschädigungen und Restaurierungen


1)

Da die französischen Revolutionstruppen in den Jahren 1793/94 auch in Schifferstadt viel Christliches zerstörten (Man lese nach bei: Georg Sturm „Geschichte meiner Heimatgemeinde Schifferstadt“ S.52), ist es möglich, dass auch diese Statue beschädigt wurde. Wo sie aber damals stand, wissen wir nicht.

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2)

Ein zweites Mal erlitt sie Schaden, als das Pferd eines Bauern scheute, die Deichsel seines Fuhrwerks steil in die Höhe fuhr und die Statue herunterriss. Es wird erzählt, dass der Bauer heftig weinend das Unglück besah, an dem er eigentlich schuldlos war.

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3)

Um das Jahr 1990 wurden die Farben von Herrn Martin Eckrich, Iggelheimer Straße, erneuert.

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4) Generalüberholung im März 2004.

Der Herrgottsschnitzer Franz Diewald, Nittenau bei Regensburg, hatte viel zu tun. Er musste alle vorhandenen Farbreste schichtweise entfernen und einige Finger und Zehen neu anfertigen. Nach mehrfacher Grundierung brachte er kräftige Farben für die Bekleidung und Pastellfarben im Gesicht, den Händen und Füßen an. Besonders gelang ihm die herrliche mehrblütige Lilie.

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Jetzt hat unsere künstlerisch wertvolle „Adler-Madonna“ wieder ihren alten Platz im Zentrum unserer Stadt. Schauen wir doch mit einem flüchtigen Blick auf sie, wenn wir hastig vorbeifahren, vielleicht sogar mit einem dankbaren Gruß!

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Während der Barockzeit baute man nicht nur prachtvolle Schlösser und schuf man nicht nur herrliche Statuen. Man dachte damals oft an die Vergänglichkeit des Daseins.

Typisch dafür ist das Gedicht von Andreas Gryphius:

So wachsen wir auf Erden
und hoffen, groß zu werden
und schmerz- und sorgenfrei;
doch eh wir zugenommen
und recht zur Blüte kommen,
bricht uns des Todes Sturm entzwei.

 

Geschichtliches:


Die ersten sicheren Nachrichten stammen aus dem Jahr 1680. Damals soll der westliche Bau - das Langhaus in der Kirchenstraße - nach dem „Großen Brand“ neu errichtet worden sein. Der Zentralbau mit Ecknische 1830. Das Nebengebäude - in der Großen Kapellenstraße - erst 1875. Bis zum Jahr 1979 diente das Gebäude als Gaststätte und Wohnhaus. Die Stadtverwaltung erwarb es 1973, um es abzureißen und einen Parkplatz anzulegen. Diese Idee wurde gottlob nicht verwirklicht: Es wäre wieder ein historisch wertvolles Stück unserer Stadt unwiederbringlich verloren gegangen. Schließlich fand man Verständnis für die Erhaltung, und der Rat der Stadt beschloss 1980 das Gebäude zu renovieren und es einer sinnvollen Nutzung zuzuführen: Altenstube und Heimatmuseum. .

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Der westliche Torpfosten

Von dem einst mächtigen Einfahrtstor rechts neben dem westlichen Langhaus ist leider nur noch ein Pfosten erhalten.

Er enthält zwei Steinreliefs, die sehenswert sind:

a) Oben: Das „Lamm Gottes“ mit Siegesfahne.

b) Darunter: Ein heidnischer „Hausgeist“ bzw. Schutzgeist“.
Schutzgeister gehörten bei unseren germanischen Vorfahren zu den „niederen Göttern“. Die Römer, welche unsere Heimat lange Jahre besetzt hatten, verehrten auch ihre Hausgötter, die sogenannten „Penaten“. Sie sollten Haus, Hof und Stallungen bewachen.

Oder war es eine Abwehrfratze gegen das Eindringen böser Mächte?  Die beiden Löwen an der Eingangstür zum Chinarestaurant am Schillerplatz dienen ja auch nicht nur zur Verschönerung. Die furchterregenden Löwenköpfe sollen nach uralter chinesischer Tradition das Böse aus dem Gebäude fernhalten.

Eigenartig ist, dass sowohl christliches als auch heidnisches Denken für uns, die wir so vieles wissen wollen, zum Vorschein kommt. Gab es Meinungsverschiedenheiten bei den Hauseigentümern?  Hat man einen Kompromiss geschlossen und das Haus unter den Schutz Christi gestellt? Gleichzeitig aber auch unter einen germanischen „Hausgeist“?

W. Brück  24.04.2005