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Wenn in früheren Zeiten jemand wütend wurde, standen ihm eine Menge Kraftausdrücke zur Verfügung, um sich Luft zu machen, z.B.: „Da soll der Blitz dreinschlagen!“ oder: „Zum Donnerschlag!“ oder: „Zum Donnerkeil!“ Der Blitz hieß also „Donnerschlag“ bzw. „Donnerkeil“. Als „Keil“ stellte man sich den Blitz vor, der scheinbar dort einschlug, wo er wollte, mit oft verheerenden Auswirkungen.
Selbstverständlich suchte man sich dagegen zu schützen. Und mit Erfolg. Da gibt es eine einfache, äußerst anspruchslose Pflanze, die ohne jede Pflege an Stellen vortrefflich gedeiht, die unglaublich sind: auf Dächern, Torpfosten, in Mauerfugen, Gesteinsspalten. Dass sie gleichzeitig einen gewissen Schutz gegen Blitzeinschlag bildet, wussten schon die Römer. Sie nannten sie ‚Barba Jovis’, also ‚Jupiterbart’ und sagten sich, der Donnergott Jupiter wird doch nicht in seinen eigenen Bart den Blitz schleudern! Die Berater von Kaiser Karl dem Großen scheinen gewusst zu haben, dass diese Pflanze, „Hauswurz“ oder „Dachwurz“, in der Pfalz „Dachkappes“ genannt, tatsächlich einen gewissen Schutz gegen Blitzeinschlag bietet. Von den zahlreichen Verordnungen, die dieser Kaiser erließ, ist die Landgüterverordnung (Capitulare de villis) aus dem Jahre 812 beachtenswert. Sie enthält 72 Pflanzen, die angebaut werden mussten, und als letztes hieß es, dass die „Sempervivumtectorum“ auf allen Dächern anzupflanzen sei. Warum wohl? Weil sie heilkräftig ist? Es wurden doch in den Klostergärten viele Nutz- und Heilpflanzen gewissenhaft gepflegt und vermehrt. Gegen Hautkrankheiten, wie Warzen, Hühnerauge, Gürtelrose, Insektenstiche, nicht nur diese „Dachwurz“. Aber die Bauern befolgten wohl gerne den kaiserlichen Befehl, wussten sie doch aus Erfahrung, dass ihre Ställe, Scheunen und Wohnhäuser einen gewissen Schutz hatten, wenn diese Pflanze vorhanden war. Sie achteten sie sogar so sehr, dass sie sie sogar in Holz geschnitzt an den Scheunenbalken anbrachten, wie man dies heute noch im Schifferstadter Heimatmuseum, Abteilung „Bauernhof“ sehen kann. Aber was hat dies alles mit dem Lesepult, „Ambo“ genannt, in unserer Sankt-Laurentius-Kirche zu tun? Nun, im unteren Teil des Reliefs sieht man wieder diese Blattrosette wie im Heimatmuseum. Und sogar den Donnerkeil, der in diese Pflanze einschlägt. Er schlägt - nach Ansicht unserer Vorfahren - nicht ins Haus sondern in eine unschuldige Pflanze! Der strafende Zorn Gottvaters im oberen Teil des Bildes trifft auch nicht die sündige Menschheit sondern seinen eigenen Sohn, der durch seinen Tod am Kreuz alle Schuld auf sich nahm. Das Spruchband in der Bildmitte: „Dies ist mein geliebter Sohn“ weist also auf die Taufe am Jordan hin, wo eine Stimme vom Himmel zu hören war, die diese Worte sprach. Das Original zu diesem Ambobild befand sich früher an der Giebelseite des Hauses Heiligengasse 1 und ist jetzt im dahinter stehenden Wohnhaus, geschützt vor den Witterungseinflüssen, untergebracht.
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Die „Dachwurz“ findet man in unserem Ort nur noch selten. In der Bahnhofstraße Nr. 15 wuchert sie über dem Fußgängereingang. Weil sie aussieht wie ein Kaktus (sie ist aber ein Dickblattgewächs) lassen Kakteenliebhaber sie - so ganz nebenbei - irgendwo wachsen: in den Fugen der Wegplatten oder auf Grenzsteinen. Beispielsweise Karl Pfeifer neben seinem Kakteen-Gewächshaus. Selbstverständlich gibt es auch heute wieder Leute, die sagen: „Beten? Wozu? Ist doch Unsinn!“. Sie weisen dadurch bewusst den Schutz von Jesus Christus zurück und liefern sich der Gerechtigkeit von Gottvater aus. Wer kann da noch helfen? Schreckliche Unfälle, fürchterliche Krankheiten, nervtötende Depressionen sind beispielsweise Warnsignale. Die Gottlosen ahnen, dass es noch schlimmer kommt und ihre Verzweiflung ist groß. Sie sagten: „Wenn es blitzt und donnert, hat es zum Beten immer noch Zeit.“ Unvernunft. Wenn
der Blitz eingeschlagen hat und die Scheune lichterloh brennt, kann niemand mehr
helfen. Synonyme: Dachwurz, Wetterwurz, Donnerkraut, Dachkappes, Jupiterbart, Barba Jovis Aussehen: Rosetten. Dickfleischige Blätter zur Speicherung von Wasser für Trockenperioden. Reizvolle rosarote Blüten. Pflege: Sehr genügsam: braucht keine Düngung, sammelt sich den eigenen Humus. Durst- und Hungerkünstler ersten Ranges. Bei der Pflanzung sollte ihr etwas Erde beigegeben werden. Standort: Dächer, Mauerfugen, Gesteinsspalten, Steingärten, Torpfosten, Praktischer Nutzen: a) Heilpflanze. Nur äußerlich anwenden. Innerlich giftig. Gegen viele Hautbeschwerden: Insektenstich, Gürtelrose, Warzen, Hühnerauge, Ähnliche Wirkung wie der Saft der Aloe Vera, in der Homöopathie wirksames Wundmittel. b) Als Schutz gegen Blitzeinschlag. Geschichtliches: Sie war bereits vor Christus den Römern bekannt und diente als eine Art von Brandversicherung. Man nannte sie Barba Jovis (Jupiterbart) und war fest überzeugt, dass dieser Gott seine Blitze doch nicht in seinen eigenen Bart schleudere! Gemäß der Landgüterverordnung (Capitulare de Villis) von Kaiser Karl dem Großen aus dem Jahre 812 musste auf jedes Dach diese Hauswurz gepflanzt werden. W. Brück 24.04.2005 |