Rettich: Scharf und gesund; Rechte WDR (Standbild)

Rettich: Scharf und gesund


Von Anja Friehoff

.
.
Wer meint, Rettich eigne sich nur als Rohkost, wird in der Pfalz eines Besseren belehrt. Auf dem alljährlichen Rettichfest im Sommer in Schifferstadt erfreuen Dutzende von Rettichrezepten die Gaumen der Besucher: Rettich blanchiert, gekocht, gebraten, eingelegt ... Neben dem bekannten weißen Rettich kann man dort auch schwarze kugelförmige und kleine rote Wurzeln probieren.
.

Asiatisches Alltagsgemüse

.
Ursprünglich stammt der Rettich aus Vorderasien. Im gesamten asiatischen Raum ist er auch weitaus populärer als in Deutschland, wo man ihn meistens nur in Verbindung mit der bayrischen Weißwurst und dem dazugehörenden bayrischen Bier kennt. In Japan liegt der durchschnittliche Pro-Kopf-Verzehr bei rund 12 Kilogramm Rettich pro Jahr, in Korea sogar bei 30 Kilogramm.
Hierzulande liegt der jährliche Verzehr gerade mal bei 150 Gramm Rettich pro Kopf, inklusive Radieschen.
.

Pfälzer schwören auf Rettich

Vielleicht wäre der Rettich ja längst verkümmert, wenn es nicht den kleinen Ort Schifferstadt in der Pfalz gäbe. Hier ist der Boden besonders fruchtbar und sandig und das Klima sonnig. Deshalb wächst dort auch das so genannte „weiße Gold“ ausgesprochen gut.

Rettich auf dem Acker; Rechte WDR (Standbild)
.
Frau mit Rettich; Rechte WDR (Standbild) Als sich im Jahr 1885 die Firma BASF in der Gegend niederließ, fanden viele Männer dort in der Fabrik eine neue Arbeit, und die Landwirtschaft wurde von den Frauen übernommen. Sie widmeten sich verstärkt dem privaten Rettichanbau und verdienten so ein paar Mark dazu. Besonders in den 20er Jahren kamen die Schifferstadter auf diese Weise zu recht viel Wohlstand.

zum Anfang

.
Gesunde Schärfe
.

Meistens wird er unterschätzt, dabei kann Rettich – richtig zubereitet – köstlich sein. Hinzu kommt, dass er unzählige wertvolle Inhaltsstoffe hat: Calcium, Kalium, Phosphor, Natrium, Eisen und zahlreiche Vitamine sowie sekundäre Pflanzenstoffe zählen dazu. Die Schärfe des Rettichs kommt durch seinen hohen Gehalt an Senfölen. Auch ihnen ist es zu verdanken, dass die Rübe ihren Ruf als vielseitig wirkendes Heilmittel hat. Pfarrer Kneipp beschwört: „So wie der Wirt die Lumpen herauswirft, wirkt der Rettich auf den Magen. Er ist ein echter Kaminputzer für den Unterleib.“

Außerdem wird Rettich von vielen Heilkundlern bei Leber- und Gallenleiden, Gicht und Gelenkrheumatismus, Husten, Heiserkeit und Bronchitis empfohlen. Ein Schifferstädter Hausmittel bei Erkältung: ein Stück Würfelzucker oder etwas Honig in einen schwarzen runden Rettich einlegen und dann verzehren.

zum Anfang

.
Eiszapfen und Rettich Rex
.

In Schifferstadt baut man drei verschiedene Rettichsorten an: Den roten Rettich, der gleichzeitig scharf und mild ist, einen kleinen weißen Rettich, den „Eiszapfen“, der bereits im März geerntet wird, sowie den großen weißen Rettich, den so genannten Rettich Rex. Außer diesen gängigen Rettichsorten kennt man noch den schwarzen Kugelrettich und die japanischen weißen Sorten, die Daikonrettiche, die etwas milder schmecken als der deutsche weiße Rettich.

Je nach Jahreszeit haben verschiedene Sorten Saison: Weiße und rote Mairettiche gibt’s von Mai bis Juli und weiße Sommer- und Herbstrettiche von Juli bis September. Vom Samen bis zur Ernte vergehen nur fünf Wochen. Zur Ernte werden die Rettiche mit der Hand aus dem Boden gezogen, gebündelt, gewaschen und in Kisten oder Körbe verpackt.

zum Anfang

.

Rettichfest in Schifferstadt

Der Rettichanbau ist in Schifferstadt so stark verankert, dass es seit 1936 ein spezielles Volksfest für den Rettich gibt. Vier Tage lang wird das scharfe Gemüse gefeiert. Auch heute noch wird viel Wert auf Traditionen gelegt, beispielsweise auf die Rettichpolka, das Fassbier-Anstechen und das traditionelle Rettichboxen.

Rettichboxen; Rechte WDR (Standbild)

.
Rettichsalat; Rechte WDR (Standbild) Auf dem Rettichfest wird der Rettich hauptsächlich „pur“ verzehrt. In der Pfalz schneidet man ihn dafür zu einer Rettichspirale, die mit Schnittlauch garniert zum Bier gereicht wird. Die Schifferstädter schätzen den Rettich aber auch als ein vielseitiges Gemüse. Bei vielen kommt Rettich zwei- bis dreimal pro Woche auf den Tisch, als Salat oder warme Beilage.

zum Anfang

.

Rezepte

.
Rettichgemüse
.
Zutaten:
1     großer Rettich
1 EL   Butter
1 EL   Mehl
100 ml   Milch
      Salz, Muskat, Pfeffer, Currypulver
1 TL   Gemüsebrühepulver
      gehacktes Fenchelgrün
.
Zubereitung:
  • Rettich in dünne Scheiben hobeln und leicht salzen, um ihn zu entschärfen.
  • Aus Butter und Mehl mit etwas Milch eine zarte Schwitze anrühren, die nicht zu dünnflüssig ist.
  • Rettich leicht ausdrücken und in der Schwitze erwärmen.
  • Mit etwas Salz, Pfeffer, Muskat, Suppenwürze und Curry abschmecken.
  • Gehacktes Fenchelgrün dazugeben und alles gut durchrühren.

zum Anfang

Rettichsalat Ratsherren-Art
.
Zutaten:
1     großer weißer Rettich
1 EL   Öl
½ TL   Essig
1 Bund   Schnittlauch, klein geschnitten
      Salz, Pfeffer, Muskat
½ Tasse   Schmand
2 EL   süße Sahne
.
Zubereitung:
  • Rettich waschen und putzen raspeln.
  • Aus Öl, Essig, Salz, Pfeffer und Muskat eine Marinade mischen.
  • Schmand und süße Sahne unterheben.
  • Rettich mit der Sauce vermischen und mit Schnittlauch bestreuen.

(Rezepte: Marianne Panzer, Schifferstadt)

zum Anfang

Kalte Rettichsuppe
.
Zutaten:
2 kg   weißer Rettich
25 g   Salz
50 ml   kräftige Gemüsebrühe
40 g   mittelscharfer Senf
150 g   Joghurt
80 g   Crème fraîche
je 100 g   frisches Tunfisch- und Lachsfilet
4 TL   Olivenöl
      Meersalz, Pfeffer aus der Mühle
.
Zubereitung:
  • Rettich fein raspeln, mit Salz vermengen und 2 Stunden ziehen lassen.
  • Rettich in einem sauberen Tuch auspressen, den Saft dabei auffangen.
  • Saft mit Gemüsebrühe, Joghurt, Senf und Crème fraîche mit dem Mixer gut verrühren.
  • Mit Salz, Pfeffer und einer Prise Zucker abschmecken.
  • Die kalte Rettichsuppe in vier Tellern anrichten, den geraspelten Rettich hinzugeben.
  • Tunfisch und Lachs in dünne Scheiben schneiden und dekorativ auf die Suppe legen.
  • Mit etwas Olivenöl beträufeln, mit Meersalz und Pfeffer bestreuen.

(Rezept: Frank Prieschl, Hotel-Restaurant „Zur Kanne“, Schifferstadt)

zum Anfang

Rettichgemüse auf asiatische Art
.
Zutaten:
etwas     Öl
2     weiße Zwiebeln, gehackt
2     rote Rettiche, in feine Scheiben gehobelt
      Knoblauchzehen, gehackt
3 EL   Tamari oder andere nicht-gezuckerte Sojasauce (im Naturkostladen)
      Salz
2 EL   Sesampaste
4     Frühlingszwiebeln, gehackt
.
Zubereitung:
  • Öl in einer Pfanne oder im Wok erhitzen, Zwiebeln darin anbraten.
  • Erst gehobelten Rettich, dann Knoblauch und etwas Salz hinzufügen und den Pfannendeckel für 3 Minuten schließen.
  • Deckel wieder wegnehmen und Tamari/Sojasauce sowie ½ Tasse Wasser angießen.
  • Die Flüssigkeit etwas einkochen lassen.
  • Sesampaste (eventuell mit Wasser verdünnt) unterrühren und die Frühlingszwiebeln unterheben, nach 5 Minuten servieren.

Dazu schmecken Reis oder Nudeln.

(Rezept: Anja Friehoff)

zum Anfang

Quelle: Anja Friehoff,   alle Angaben ohne Gewähr