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Die Geschichte unserer St. Jakobuskirche.
Über die Gründung der Kirche und der Pfarrei haben wir
keine Gewissheit. Vieles liegt im Dunkel der Vergangenheit. Als wahrscheinlich
kann angenommen werden, dass diese, bzw. ihre Vorgängerkirche wohl Ende des 7.,
Anfang des 8. Jahrhunderts entstanden ist.
Historiker nehmen an,
dass es damals in der Frankenzeit in Schifferstadt einen „Königshof“ gab, zu dem
eine königliche Eigenkirche gehörte. Eine Kirche, die der Grundherr für sich und
seine Leibeigenen bauen ließ.
In einer Urkunde vom 25.
Mai 868, beglaubigt vom Frankenkönig „Ludwig dem Deutschen“, einem Enkel Kaiser
Karls des Großen, wird „Sciffestad“ - Schifferstadt - erstmals erwähnt.
Im folgenden Jahrhundert
ging der königliche Besitz und damit auch die Eigenkirche an die Gaugrafen über.
Im Speyer- und Wormsgau
herrschten die Salier. Somit wurden im 9./10. Jahrhundert die salischen Herzöge
Besitzer von Dorf und Kirche.
Vieles weist darauf hin,
dass Herzog Otto von Kärnten, genannt „von Worms“, Großvater von Konrad II., des
Gründers des Domes zu Speyer, der erste sicher bezeugte Ortsherr von
Schifferstadt war.
Wohl als Dank für treue
Dienste überließ er, es wird angenommen 983, wie in einem Schriftstück aus dem
16. Jahrhundert zu lesen ist, „den Schifferstadtern 4.000 Morgen Wald,
Wasser, Weid und Heid, das selbige zu gebrauchen nach ihrem Gefallen“.
Als Gegenleistung musste
die Gemeinde am Donnerstag in der Oktav des Festes Maria Himmelfahrt für sein
und seiner Frau Judith Seelenheil ein Jahresgedächtnis halte, bei dem
gleichzeitig 12 Messen zu lesen waren.
Dieses „Zwölfmessefest“
wurde bis 1821 unter großer Anteilnahme der gesamten Bevölkerung gefeiert,
danach bis 1856 nur noch als einfacher „Jahresgedächtnisgottesdienst“.
Wir können davon
ausgehen, dass zur Zeit Herzog Ottos schon eine Kirche und eine Pfarrei
bestanden haben, deren Zehnte und sonstige Rechte Eigentum der Salier waren.
Am 17. Januar 1035
schenkte Kaiser Konrad II. dem Kloster Limburg „Besitz in Schiverstadt“,
dessen Bewohner nun dem „Limburger Hofrecht unterstellt“ waren.
Kaiser Heinrich III.
schenkte 1046 die Schifferstadter Kirche und ihre Besitzungen derSpeyerer
Domkirche bzw. dem Domkapitel.
Von diesem Jahr an bis
1801 verblieb das Unterdorf Schifferstadt („Groß-Schifferstadt“) beim Hochstift
Speyer mit dem Fürstbischof als Landes-, Orts und Gerichtsherrn. Nicht aber
Klein-Schifferstadt.
Kaiser Heinrich IV.
bestätigte urkundlich am 10. April 1101 der Domkirche all ihre Besitzungen,
Rechte und Freiheiten.
Dabei wird erstmals die
Kirche in Schifferstadt genannt.
1255
wird erstmals St. Jakobus als Patron der Pfarrkirche genannt. Warum man den hl.
Jakobus dafür auswählte, ist nicht bekannt.
Edelbert Memmel gibt in
seinem Beitrag
„Zur Geschichte der
katholischen Kirchengemeinden Schifferstadts“
dazu folgende Erklärung:
„Nachdem man im 9.
Jahrhundert in Santiago de Compostela die Gebeine des Apostels Jakobus des
Älteren glaubte gefunden zu haben, setzten die „Wallfahrten nach Santiago de
Compostela“ ein. Die erste größere Station auf dem Weg nach Spanien in unserem
Gebiet war die Bischofsstadt Speyer. Man kann davon ausgehen, dass einer dieser
Pilgerwege auch über Schifferstadt führte.
Somit wäre auch das
Jakobus - Patrozinium erklärbar“.
Nun wenige Sätze zur
Verehrung des hl. Laurentius in Schifferstadt:
Ursprünglich stand
weniger als 100 m von der Jakobuskirche entfernt eine Laurentiuskapelle.
Vermutlich war sie eine Stiftung der Salier.
Damit hat es folgende
Bewandtnis:
Konrad der Rote,
das Urgestein der Salier, war an der Spitze des Heeres in der Schlacht auf dem
Lechfeld, die 955 von einem Heer Kaiser Otto des Großen gegen die heidnischen
Ungarn ausgetragen wurde, im Kampf gefallen und liegt in der Krypta des Wormser
Domes begraben.
Sein Todestag war am 10.
August, dem Fest des heiligen Laurentius.
Zu seinem Gedenken wurden
im 10. und 11. Jahrhundert in den Orten des Speyer- und Worms-gaues
Laurentiuskapellen gebaut.
Die Laurentiuskapelle in
unmittelbarer Nähe zu St. Jakobus gelegen, war somit wohl die Neben-kapelle der
Hauptkirche.
In der Französischen
Revolution wurde die Kapelle 1794 zerstört, 1803 abgebrochen und als
französisches Nationalgut versteigert.
Nun ein paar
Informationen zur Baugeschichte der Jakobuskirche:
Der Turm im Osten war
ursprünglich auch Altarraum.
Heute noch erkennt man am
Turm seine gotische Architektur.
Um die Kirche befand sich
bis 1822 der Kirchhof mit dem Beinhaus.
Im Laufe der Jahrhunderte
hatte die Kirche schwere Zeiten:
Mehrmals zwischen 1552
und 1794 wurden Turm und Kirche von Plünderungen und Zerstörungen
heimgesucht.
Aber immer wieder haben
die Schifferstadter Katholiken ihre Kirche auf- und ausgebaut.
Von 1616 bis 1621
wurde ein einschiffiges Langhaus angebaut, das den gotischen, vermutlich
einschiffigen Vorgängerbau ersetzte.
1738
wurde der gotische Turm aufgestockt.
1753/1754 erfuhr die
Kirche eine durchgreifende Erneuerung und Erweiterung: Der Dachstuhl des
Langhauses wurde angehoben und erneuert, die Kirche erhielt im Westen eine Apsis
als Chorraum, daran wurde südlich eine Sakristei angebaut.
In den französischen
Revolutionskriegen wurde das Innere der
Kirche völlig demoliert, die Glocken wurden vom Turm geworfen, die
Kirche diente den Revolutionstruppen als Heumagazin und Pferdestall.
Nachdem das gottlose
Intermezzo vorbei war, wurden von 1802 bis 1804 die gröbsten Schäden
ausgebessert; zwei Glocken und eine Orgel angeschafft.
Die völlige
Instandsetzung war aber erst 1821 abgeschlossen. Der Kirchenraum bot
nun Platz für 700 – 800 Besucher.
Dennoch reichte für die
stark gewachsene Zahl an Gläubigen bei den Sonntagsgottesdiensten der Platz
nicht für alle.
Schon 1822 beklagte der
damalige Pfarrer Will, „die Kirche sei elendig, zu schmal und ungleich
länger, dabei um die Hälfte zu klein“.
Sein Nachfolger
bemängelte ebenfalls, dass die Kirche zu klein wäre und es für 1.200 Gläubige am
Sonntag keinen Platz gäbe.
Die Erweiterung der
Kirche duldete nun keinen Aufschub mehr.
1845 kam Pfarrer Freiherr
von Gagern nach Schifferstadt.
Er förderte kräftig
die Baumaßnahme.
Bei diesem Um- und
Neubau bekam sie, von unwesentlichen späteren Änderungen abgesehen,
architektonisch die Gestalt, wie wir sie heute kennen.
Der Kirchenraum wurde
erheblich vergrößert. Der bis dahin frei stehende Turm wurde nun, auf
50 m erhöht, in den Kirchenraum einbezogen.
1860
konnte Bischof Nikolaus von Weis die völlig erneuerte Kirche weihen.
In den nachfolgenden
Jahren, bis in die jüngste Zeit, wurde die Kirche immer wieder renoviert und
verbessert.
Mitten im Zweiten
Weltkrieg kam es zu einem bedeutenden Umbau: Pfarrer Weihmann ließ einen
Luftschutzkeller, die heutige Krypta unter dem Chor bauen, dabei den
Chor erhöhen und mit der gewaltigen Kreuzigungsgruppe ausstatten.
In beiden Weltkriegen
wurden die Glocken vom Turm geholt und danach wieder durch neue ersetzt.
Von 1965 bis 1967 und
1983/84 wurde die Kirche umfassend renoviert.
Die sechste Orgel seit
1712 - die klangschöne neue Vleugels - Orgel - erklingt seit Oktober 1999
in unserer ehrwürdigen Jakobuskirche.
Schon dieser kurze Blick
auf die Geschichte zeigt: die Mitglieder der Kirchengemeinde St. Jakobus sind
zu allen Zeiten mit Liebe, Engagement und Opferbereitschaft für ihre Kirche, als
dem Mittelpunkt ihrer religiösen Heimat, eingetreten.
Man kann nur hoffen und
wünschen, dass dies auch in den kommenden Jahrzehnten so bleiben wird.
30.08.05. Theo
Magin
Quellen: Georg
Sturm „Geschichte meiner Heimatstadt Schifferstadt“, Gerhard Sellinger „Beiträge
zur Schifferstadter Geschichte“, Edelbert Memmel „Zur Geschichte der
katholischen Kirchengemeinden Schifferstadt´s“ erschienen in
„Schifferstadt-Geschichte und Geschichten“. |