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Alle, die am 5. November 2007 am
Abend nach halb 6 Uhr am "Weißen Kreuz" vorbeikamen, schüttelten den Kopf
und sagten: "Wie konnte das nur passieren!" Eine 29jährige Fahrerin war
mit ihrem Citroen über die Grünanlage gefahren und mit großer
Geschwindigkeit auf den Sockel des "Weißen Kreuzes" geprallt. Ohne die
geringste Bremsspur. Das Kreuz wurde umgestürzt und 3 m weit geschleift.
Der dahinter stehende Baum, ein Hartriegel, wurde glatt abrasiert. Zum
Glück! Denn dadurch wurde der Aufprall des Kreuzes auf den Boden
abgebremst. Folglich keine großen Beschädigungen. Nur die Stelle zwischen
den Füßen des Gekreuzigte und dem Sockel wurde an mehreren Stellen
gebrochen. Auch die Fahrerin soll keine ernsten Verletzungen erlitten
haben, obwohl das Autodach mit einer Rettungsschere aufgeschnitten werden
musste. Mit einem Rettungsbrett holte man sie aus dem total zerstörten
Auto heraus.
Jetzt befindet sich das Kreuz in der Werkstatt vom Steinmetz Helmut
Bartholomä.
Mein Freund, wo gehst du hin? Vergiss
nicht, dass ich dein Erlöser bin! Dass ich so viel gelitten hab für
Dich!
Daher bleib steh´n und grüße mich !
Erst vor 10 Jahren hatte er den
Sockel vollständig erneuert, war doch der ursprüngliche Stein in mehrere
Teile auseinander gefallen. Er besorgte einen Stein aus dem Steinbruch
hinter Mussbach\Weinstraße, damit er farblich zu dem Kreuz passte. Die
rechteckige Vorderseite des Sockels trägt keine Inschrift im Gegensatz zu
dem Parallelkreuz im Ketzerweg, wo man lesen kann: "Oh ihr alle, die ihr
vorübergeht, habet acht und sehet, ob ein Schmerz ist wie der meine.
Auferbaut von Jacob Lochner und M. Hofman 1817" Die beiden Voluten rechts
und links oben heißen im Volksmund. Schneckennudeln und sind typisch für
den Barockstil. Auch die bauchige Form und die Blattornamente rechts und
links unten.
Der Steinmetz, der um 1750 das Kreuz aus einem Stein heraus meißelte hatte
sehr viel zu tun. Er musste sowohl den senkrechten als auch den
waagrechten Kreuzbalken zusammen mit dem Korpus aus einem Steinblock
herausarbeiten. Der Korpus wurde nicht erneuert. Kleinere Schäden, z.B. an
den Zehen, wurden nicht beseitigt. Der Betrachter soll sehen, dass es sich
um ein altes Kunstwerk handelt und dass 250 Jahre nicht spurlos
vorübergegangen sind. Die kleinen Risse auf dem Haupt wurden mit
Epoxidharz-Kleber gefüllt, damit das Wasser nicht eindringen kann. Zuletzt
behandelte Herr Bartholomä das ganze Kreuz mit einer Substanz auf
Kieselsteinbasis, damit im Winter keine Frostschäden auftreten.
Die größten Schäden erlitt das Kreuz im Jahr 1794. Die französischen
Revolutionstruppen waren in die Pfalz einmarschiert und viel Religiöses
zerstört. So auch mehrere Kreuze auf dem Friedhof und die 3 anderen Kreuze
am Böhler Weg, am Dannstadter Weg und in der Mannheimer Straße. Nach den
Befeiungskriegen, als Napoleon endlich gefangen genommen und auf die Insel
Helena im Atlantik verbannt worden war, konnten 2 Kreuze wieder
zusammengebaut werden: das "Weiße Kreuz" und das im Ketzerweg.
Nach der Inschrift ist es gestiftet von Benedikt Maier, aufgerichtet von
seinen Kindern 1816. Ursprünglich stand dieses "Weiße Kreuz" am damaligen
südlichen Ortsausgang, am jetzigen Marienplatz. 1824 wurde es auf den
jetzigen Platz versetzt, der damals noch "an de Keschtebääm" hieß. Das
Gasthaus "Zum Goldenen Huf' an der Nordseite hieß damals "Zum Pfälzer Hof"
und war von 1906 bis 1923 das Vereinslokal des Katholischen
Gesellenvereins. Dass dieser Platz nicht sonderlich gepflegt war, verrät
die Gemeindeordnung " aus dem Jahr 1870, die besagt, dass der
Schillerplatz und der Kreuzplatz nicht weiter "zum Aufstellen und
Aufbewahren von Gegenständen, wie Holz, Dünger, Grund, Steine, Stroh,
Buden, Wägen, Karren und sonstigen Gerätschaften " benutzt werden dürfen.
Zum Schutz der Blumen wurde vor dem Kreuz ein rechteckiges Gitte angelegt,
das aber bald von einer Ligusterhecke ersetzt wurde. Die Familie
Maurer/Bast pflegten die Blumenanlage weit über 50 Jahre lang und
bereiteten jede Jahr den 3. Altar für die Fronleichnamsprozession. Es
wurde zudem einige Tage zuvor weiß gestrichen, weshalb es den Namen
"Weißes Kreuz" erhielt.
Hoffen und beten wir, dass dieses altehrwürdige Kreuz - bestens
restauriert - bald wieder den angestammten Platz erhält zum Schutz und
Segen unserer Stadt. |