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Er
reitet über die Brücke, die Asgard (Reich der Götter) mit Mitgard
(Reich der Menschen) verbindet. Diese Brück heißt Bofröst und wird
gelegentlich von Menschen gesehen. „Schau mal, ein Regenbogen!“ sagen
sie dann.
Sein rechtes Auge fehlt. Da er auf ständiger Suche nach Wissen und
Weisheit ist und aus der Quelle der Weisheit trinken wollte, musste er
dem Riesen Mimir dieses Auge opfern. Erst dann durfte er trinken. Auch
wollte er die Kraft und Weisheit der Runen erhalten. Zu diesem Zweck
hängte er sich 9 Tage und 9 Nächte in den Zweigen der Weltesche
Yggdrasil auf. Selbstverständlich war er auch am Fuß dieses
Riesenbaumes bei den 3 Schicksalsnornen. Sie spinnen den Lebensfaden:
Urd (Zukunft) holt den Faden aus der Spindel, Vérdandi (Gegenwart)
gibt ihn weiter und Skult (Vergangenheit) schneidet ihn ab.
„Wilder Mann“ oder „wilder Jäger“ heißt er, weil er im Herbst, wenn
die Stürme brausen, den Verstorbenen voranreitet. Er oder seine
Gemahlin Fricka (= Frick = Holda) mit 24 schwarzen bellenden Hunden
und 423 000 Geistern im Gefolge. Besonders in den „Raunächten“, den
„Zwölfen“, im „Mitwinter“ zwischen dem Julfest (Weihnachten) und Fest
Erscheinung (6. Januar)
Ihre Töchter heißen „Walküren“. Sie geben dem sterbenden Krieger den
tötenden Kuss, einen friedlichen Tod. Dann tragen sie ihn auf ihrem
Schild hinauf in die Götterburg Walhalla. Dort bedienen sie die Helden
als Schenkmädchen. Gerne verwandeln sie sich auch in Schwäne und
erfrischen sich in einem abgelegenen Teich im dunklen Wald. Der Trojer
Hagen, hatte mit dem Heer der Burgunder die Hauptstadt Worms
verlassen, um im Hunnenland Kriemhild zu besuchen, die den Hunnenkönig
geheiratet hatte und auf Rache sann an der Ermordung ihres Siegfried.
Hagen stahl zwei Schwanengewänder und gab sie nur zurück, wenn sie ihm
die Zukunft sagen würden. Furchtbar: das ganze Heer wird zugrunde
gehen. So geschah es auch.
Wotans erster Sohn ist groß, kräftig, mit dichtem rotem Bart. Er kann
Unmengen essen und trinken und heißt Thor, Donar. Der Donnerstag ist
ihm geweiht. Die Eiche ist ihm heilig. Sein Tier ist der Ziegenbock.
Seine Waffe ist der Hammer. Er kehrt immer zurück wie ein Bumerang.
Dem
Vater Wotan ist der Mittwoch geweiht (franz. mercredi = „Tag des
Merkur“). Der Freitag gehört Wotans Schwägerin Freia oder seiner
Gemahlin Fricka.
Walhall ist die Götterburg mitten in Asgard, dem Reich der Asen. Im
Riesensaal schlafen die im Kampf gefallenen Helden. Morgens weckt sie
der Hahn „Goldkamm“. Sofort legen sie ihre Waffen an und ziehen hinaus
auf den Kampfplatz. Sie sind glücklich, kämpfen zu dürfen, fügen sich
auch gegenseitig Wunden zu und töten auch, aber am Abend sind alle
wieder lebendig und gesund. Sie kehren freudig zurück und essen den
bei der Jagd erlegten und gebratenen riesigen Wildeber Sährimnir. Der
wird aber wieder lebendig und trottet zurück in den Wald. Dann wird er
unter jubelndem Jagdgeschrei gejagt. Es geht durch dick und dünn, über
Stock und Stein, durch Dickicht und Teich. Es gibt nichts Schöneres.
Aber das Sich-fit-Halten ist nicht ohne Absicht. Schließlich steht ein
fürchterlicher Endkampf bevor, die Götterdämmerung. An diesem Tag
erheben sich von allen Seiten dämonische Mächte:
Der
Riesenwolf Fenrir, die Mitgardschlange, die draußen im Weltmeer lauert
und Ebbe verursacht, wenn sie einatmet, und Flut, wenn sie ausatmet.
Natürlich auch Loki. Dann ist das Nagelschiff fertig, das aus den
Fingernägeln der Verstorbenen gebaut wird. Damit es nicht so rasch
fertig wird, mussten den Toten die Nägel vor der Beerdigung
geschnitten werden.
Dass Wotan nicht nur ein Schrecken einjagender Gott war, sondern
äußerst hilfsbereit, wissen wir aus der Nibelungensage. Darin erklärte
er Siegfried, der gerade bei Zwerg Mime sein Schwert Gram geschmiedet
hatte, wie er das Pferd Grani, ein Abkömmling Sleipnirs, gewinnen
konnte. Leider hatte es keine 8 Füße. Es war aber äußerst tapfer. Wie
Siegfried selbst.
Aber das ist wieder eine andere Geschichte... |